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Chytrá energie

Bayern klinkt sich bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager aus. Argument: Das Gestein sei hier nicht geeignet. Im Bayerischen Wald ist man dennoch besorgt und bereitet schon mal den Widerstand vor.

Bürgermeister Martin Behringer empfiehlt einen kurzen Spaziergang zum Steinbruch. “Dort sieht man schon die Spalten und das Wasser im Granit.” Man müsse gar kein Geologe sein, um zu erkennen, dass der dunkelgraue Stein gar nicht so kompakt ist, wie es scheint. Der Ortsvorsteher von Thurmansbang ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass der Bayerwald-Granit nicht sicher genug ist für ein Atommüll-Endlager, sondern viel zu zerklüftet.

Wer anderer Meinung ist, muss offenbar mit dem granitharten Widerstand der Bayerwaldler rechnen. Der Lokalpolitiker von den Freien Wählern probt schon mal den Aufstand. Denn die Endlager-Kommission, die ihren Abschlussbericht vergangene Woche Bundesregierung und Bundestag vorlegte, ist zu einem anderen Ergebnis gekommen. Sie hat den großen Reset-Knopf gedrückt und geht bei der Endlager-Suche von einer “weißen Landkarte” aus.

Das bedeutet im Wesentlichen, dass jede mindestens hundert Meter mächtige Schicht mit homogenem Gestein auf ihre Eignung überprüft werden soll, gleichgültig ob sie aus aus Ton, Salz oder eben Granit besteht.

Granit gibt es im Bayerischen Wald mehr als genug. Weil bereits bei einer früheren Erkundung 1995 die Gesteinsformation zwischen Thurmansbang und Saldenburg als potenzieller Endlager-Standort im Gespräch war, herrscht hier jetzt Aufregung. Wird Thurmansbang zum neuen Gorleben?

Im Bayerischen Wald wird schon vorsorglich der Widerstand organisiert. Auf die Staatsregierung, die sich auch gegen ein Endlager im ehemaligen Atom-Staat Bayern sträubt und damit die anderen Bundesländer gegen sich aufbringt, will man sich offenbar nicht verlassen.

Behringer erinnert daran, dass in Bayern schon einmal ein atompolitisches Großprojekt am Zorn und der Beharrlichkeit der sonst friedliebenden Bevölkerung gescheitert sei: “Wenn jemand ein zweites Wackersdorf will, kann er es haben. Da helf’ mer z’samm, über Parteigrenzen hinweg”, sagt der schmale 45-Jährige.

Die Mobilisierung in der strukturschwachen Region ganz im Osten Bayerns ist groß, es steht viel auf dem Spiel. Ein Endlager würde die dringend benötigten Touristen und Investoren abschrecken. Behringer ist nicht nur Bürgermeister, sondern auch Vorsitzender einer Anti-Atom-Bürgerinitiative im Landkreis Freyung-Grafenau. Sie besteht seit 20 Jahren und hat fast so viele Mitglieder wie das 3300 Einwohner große Thurmansbang.

Pavel 18.07. 2016

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